Die Rolle des Schachschiedsrichters: Vorbereitung, Runden und Pflichten

Leitfaden · Kapitel 07 Zentrale Aufgaben und Verantwortlichkeiten eines Schachschiedsrichters: von der Einrichtung des Spielsaals über die Behandlung regelwidriger Züge bis hin zu FIDE-Titeln und der abschließenden Turnierdokumentation.

Der Schiedsrichter gewährleistet Fair Play und die strikte Einhaltung der FIDE-Schachregeln. Während der Veranstalter die Logistik, die Spieleranmeldung und die finanziellen Aspekte des Turniers betreut, behält der Schiedsrichter die vollständige, unabhängige Entscheidungsgewalt über die technische Ordnungsmäßigkeit im Spielsaal. Dieser Leitfaden erläutert die Aufgabenverteilung, die Abläufe in den einzelnen Turnierphasen sowie die üblichen Entscheidungen bei häufig auftretenden Konfliktsituationen am Brett.

Schiedsrichter vs. Veranstalter: Rollenverteilung und Zuständigkeit

Bei offiziellen FIDE-gewerteten Wettbewerben und professionellen Veranstaltungen sind die Rollen von Schiedsrichter und Veranstalter streng getrennt, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Der Veranstalter bewirbt das Turnier, sichert den Spielort, nimmt Anmeldungen entgegen, richtet den Saal ein und verwaltet den Preisfonds. Der Schiedsrichter handelt völlig unparteiisch und schützt die technische Integrität des Wettbewerbs.

Bei lokalen Vereinsturnieren und Freizeitwettbewerben übernimmt aus praktischen Gründen häufig eine einzige Person beide Funktionen. In dieser Doppelrolle müssen die Aufgabenbereiche klar getrennt bleiben: Administrative und logistische Entscheidungen obliegen dem Veranstalter, jede Entscheidung jedoch, die das sportliche Ergebnis einer Partie beeinflussen kann, fällt in die alleinige und ausschließliche Zuständigkeit des Schiedsrichters.

Die operative Abgrenzung wird durch die Turnierordnung klar definiert: Das Festlegen von Rundenzeiten, die Ausgestaltung der Preisstruktur oder die Wahl der Bedenkzeit vor Runde 1 sind Veranstalterentscheidungen. Die Verhängung von Partieverlust wegen Nichterscheinen, die Ahndung regelwidriger Züge, die Beurteilung von Remisanträgen oder die Durchsetzung von Verboten elektronischer Geräte sind verbindliche Schiedsrichterentscheidungen, die niemals durch finanzielle oder logistische Erwägungen beeinflusst werden dürfen.

Die Autorität und die Pflichten des Schiedsrichters sind im FIDE-Handbuch, Abschnitt E.01 (Schachregeln), Artikel 12 — Die Rolle des Schiedsrichters — geregelt.
→ Offiziellen FIDE-E.01-Text aufrufen

FIDE-Schiedsrichtertitel und nationale Qualifikationen

Die FIDE verleiht offizielle Titel, die Schiedsrichter zur Leitung internationaler Veranstaltungen und für die internationale Elowertung relevanter Turniere qualifizieren. Formale Titel sind für ungewertete Vereinsabende oder Schulveranstaltungen nicht erforderlich, allerdings bleibt eine fundierte praktische Kenntnis der FIDE-Schachregeln unverzichtbar.

Titel Vollständige Bezeichnung Typischer Zuständigkeitsbereich Wesentliche Voraussetzungen
IA Internationaler Schiedsrichter Schacholympiaden, Weltmeisterschaften, hochrangige internationale FIDE-Turniere Bestehen der FIDE-IA-Prüfungen und Erreichen praktischer Normen bei internationalen Veranstaltungen gemäß FIDE B.06.1
FA FIDE-Schiedsrichter FIDE-gewertete internationale und nationale Veranstaltungen Bestehen des offiziellen FIDE-FA-Seminars und Erreichen der gemäß FIDE B.06.1 erforderlichen Schiedsrichternormen
NA Nationaler Schiedsrichter Offizielle nationale Turniere unter der jeweiligen nationalen Schachföderation Qualifikation und Zertifizierung gemäß den Bestimmungen des jeweiligen nationalen Verbandes
Keiner Vereins- / Amateurschiedsrichter Vereinsinterne Veranstaltungen, ungewertete Schul- und Breitensportturniere Fundierte praktische Kenntnis der FIDE-Schachregeln
Empfehlung für Schachvereine

Vereine, die regelmäßig FIDE-gewertete Turniere organisieren, sollten Funktionäre mit dem Titel FIDE-Schiedsrichter oder Nationaler Schiedsrichter einsetzen. Offizielle Schiedsrichterkurse beinhalten spezielle Module zur Programmierung digitaler Uhren, zur Konfiguration von Paarungssystemen und zum Management technischer Streitfälle. Für ungewertete vereinsinterne Veranstaltungen genügt ein erfahrenes Mitglied, das die neutrale Anwendung der Regeln sicherstellt.

Die drei Phasen der Schiedsrichtertätigkeit

Vor dem Turnier
  • Turnierordnung und spezifische Wettbewerbsregeln prüfen
  • Spielsaal, Schiedsrichtertisch und Ausrüstung inspizieren
  • Teilnehmerlisten, Mitgliedsstatus und FIDE-IDs überprüfen
  • Die in der Turnierordnung festgelegte Verspätungsregelung kontrollieren
  • Offizielle geordnete Liste der Feinwertungskriterien vor Runde 1 veröffentlichen
  • Spezifische Aufgaben unter den Hilfsschiedsrichtern zuweisen
  • Paarungssoftware mit den gewählten Turniereinstellungen konfigurieren
  • Turnierordnung hinsichtlich elektronischer Geräte überprüfen
Während der Runden
  • Schachuhren pünktlich zum geplanten Rundenbeginn starten
  • Den Saal kontinuierlich überwachen, um Regelverstöße zu verhindern und zu erkennen
  • Korrekte Funktion und Zeiteinstellungen der digitalen Uhren überprüfen
  • Bei regelwidrigen Zügen und Streitigkeiten am Brett unverzüglich eingreifen
  • Remisanträge und Zugzählung in Endspielsituationen bearbeiten
  • Verbote elektronischer Geräte durchsetzen und Kontrollen vornehmen
  • Unterschriebene Ergebniszettel einsammeln und auf Richtigkeit prüfen
  • Partieergebnisse in die Software eingeben und Paarungen der nächsten Runde veröffentlichen
Nach dem Turnier
  • Abschließende Gegenprüfung aller erfassten Partieergebnisse durchführen
  • Offizielle Endrangliste berechnen, überprüfen und veröffentlichen
  • Noch ausstehende Proteste vor der Siegerehrung prüfen und entscheiden
  • Turnierbericht-Datei (TRF) für die Wertung unterschreiben und validieren
  • Partieformulare gemäß den Verbandsvorschriften archivieren
  • Offiziellen Oberschiedsrichterbericht für den Verband verfassen
  • Turnierausrüstung und Unterlagen an den Veranstalter zurückgeben

Vor dem Turnier: Aufbau und offizielle Bekanntmachungen

Die Pflichten eines Schiedsrichters beginnen lange vor dem ersten Zug. Eine gründliche Vorabkontrolle von Spielstätte und Turnierordnung beugt Streitigkeiten während der aktiven Spielphase vor.

Festlegung der Verspätungsregelung

Gemäß FIDE-Schachregeln Artikel 6.7.1 beträgt die reguläre Verspätungsfrist null Minuten: Jeder Spieler, der bei Uhrenstart nicht an seinem Brett anwesend ist, verliert die Partie. Die spezifischen Turnierbestimmungen können jedoch eine andere Karenzzeit (z. B. 15 oder 30 Minuten) festlegen. Diese Regelung muss in der offiziellen Turnierordnung festgehalten oder allen Teilnehmern vor Beginn der Runde 1 förmlich mitgeteilt werden.

Bei Vereinsturnieren und Amateurveranstaltungen wird häufig eine Verspätungsfrist von 15 oder 30 Minuten gewährt, damit Spieler unvorhergesehene Anreiseverzögerungen überbrücken können, ohne den Rundenablauf zu gefährden.

Regelung zu elektronischen Geräten

Artikel 11.3.2 der FIDE-Schachregeln verbietet grundsätzlich das Mitbringen elektronischer Geräte in den Spielbereich, sofern sie nicht ausdrücklich vom Schiedsrichter genehmigt wurden. Gemäß Artikel 11.3.2.2 verliert ein Spieler die Partie und der Gegner gewinnt, wenn offensichtlich ist, dass der Spieler ein nicht genehmigtes elektronisches Gerät im Spielbereich bei sich trägt; die Einschränkung des Artikels 7.5.5 bezüglich der Mattpotenzial-Prüfung greift hierbei nicht. Die Turnierordnung kann eine abweichende, mildere Strafe vorsehen. Darüber hinaus kann die Turnierordnung erlauben, ein vollständig ausgeschaltetes Gerät in einer mit dem Schiedsrichter vereinbarten Tasche aufzubewahren, sofern der Spieler die Tasche nicht ohne Erlaubnis des Schiedsrichters benutzt.

Kontrolle der Spielausrüstung

Vor der ersten Runde ist sicherzustellen, dass Bretter und Figuren den vorgeschriebenen Größenparametern entsprechen, die digitalen Uhren mit der korrekten Bedenkzeit (einschließlich Inkrement pro Zug) programmiert sind und Partieformulare auf allen Tischen bereitliegen. Es empfiehlt sich zudem, die Hinweise zur Einrichtung des Spielorts und zur Platzierung der Ausrüstung zu beachten, um korrekte Gangbreiten und Beleuchtung im Saal sicherzustellen. Bei der Veröffentlichung der Feinwertungskriterien gemäß FIDE-Bestimmung C.07 können Schiedsrichter zur Überprüfung auch einen Online-Feinwertungsrechner heranziehen.

Während der Runden: Saalaufsicht und Regelverstöße

Während des Spielbetriebs wahrt der Schiedsrichter eine aufmerksame, aber unauffällige Präsenz im Spielsaal und bewegt sich leise durch die Gänge, um Unregelmäßigkeiten zu verhindern, ohne die Konzentration der Spieler zu stören.

Wesentliche Beobachtungspunkte umfassen:

Uhrenbetrieb. Keine Anzeige einer digitalen Uhr darf während einer laufenden Partie stillstehen. Falls eine Uhr während eines Zuges ungewöhnlich stoppt, muss die Restzeit anhand verfügbarer Indizien angemessen wiederhergestellt werden.

Notation. Artikel 8.1b der FIDE-Schachregeln verbietet es den Spielern, Züge auf dem Partieformular zu notieren, bevor sie auf dem Brett ausgeführt werden. Das Partieformular dient der Aufzeichnung der laufenden Partie, nicht der Planung von Zugkandidaten.

Einhaltung der Gerätevorschriften. Die Durchsetzung von Artikel 11.3.2 muss strikt und einheitlich für alle Teilnehmer erfolgen. Der Schiedsrichter schreitet sofort ein, wenn er ein Geräusch hört oder ein nicht genehmigtes Gerät am Körper eines Spielers feststellt.

Verhalten von Zuschauern und Dritten. Gemäß Artikel 12.7 dürfen sich Zuschauer, Trainer, Eltern und Spieler, die ihre Partie bereits beendet haben, nicht in der Nähe aktiver Bretter aufhalten oder mit Spielern sprechen, die sich in einer laufenden Partie befinden.

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ChessPairings.org unterstützt Schiedsrichter bei der schnellen Ergebniseingabe über Mobilgeräte und bei Paarungsberechnungen auf Basis der gewählten Turniereinstellungen.

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12 häufige Schiedsrichterentscheidungen im Detail

Im folgenden Abschnitt werden zwölf wiederkehrende Situationen am Brett analysiert, mit Angabe der maßgeblichen Artikel der FIDE-Schachregeln und des korrekten Schiedsrichterverfahrens.

01 Tote Stellung und unzureichendes Mattmaterial
FIDE-Referenz
Art. 5.2.2 & Art. 6.9: Die Partie ist remis, wenn eine Stellung entstanden ist, aus der ein Schachmatt durch keine Folge regelgemäßer Züge mehr erreichbar ist. Das Remis tritt automatisch ein und erfordert keinen förmlichen Antrag.
→ FIDE E.01 Art. 5.2.2
Schiedsrichterverfahren
Die Brettstellung prüfen (z. B. König gegen König, König und Läufer gegen König, König und Springer gegen König). Wenn Schachmatt für keine Seite regelgemäß und mathematisch möglich ist, sofortiges Remis erklären, unabhängig von der verbleibenden Bedenkzeit.
02 Vollendeter regelwidriger Zug in Partien mit Standard-Bedenkzeit
FIDE-Referenz
Art. 7.5.5: In Standardpartien stellt der Schiedsrichter bei Vollendung eines regelwidrigen Zugs (durch Drücken der Uhr) die Stellung vor dem Verstoß wieder her.
→ FIDE E.01 Art. 7.5.5
Schiedsrichterverfahren
Beim ersten vollendeten regelwidrigen Zug eines Spielers werden dem Gegner 2 Minuten Zusatzzeit auf die Uhr gegeben. Gemäß Artikel 7.5.5 erklärt der Schiedsrichter beim zweiten vollendeten regelwidrigen Zug desselben Spielers in derselben Partie die Partie als verloren für den Regelverstoßenden; die Partie ist jedoch remis, wenn der Gegner den König des Spielers durch keine mögliche Folge regelgemäßer Züge mattsetzen kann.
03 Regelwidrige Züge in Schnell- und Blitzpartien
FIDE-Referenz
Anhänge A & B (Art. A.3/B.3 & A.4/B.4): In Schnell- und Blitzpartien ohne durchgängige Schiedsrichteraufsicht (Anhänge A.4 & B.4) wird dem Gegner der Gewinn zuerkannt, wenn er rechtzeitig reklamiert, bevor er seinen nächsten Zug ausführt. Unter vollständiger Aufsicht (Anhänge A.3 & B.3) gelten vor dem Partieverlust die üblichen Zeitstrafen.
→ FIDE E.01 Anhänge A & B
Schiedsrichterverfahren
Die in der Turnierordnung festgelegte Aufsichtsstufe prüfen. In unbeaufsichtigten Schnell-/Blitzpartien dem Reklamierenden den Gewinn zusprechen, sofern er rechtzeitig reklamiert hat und über Material verfügt, um durch eine regelgemäße Zugfolge Matt zu erzwingen.
04 Unvollständige oder fehlerhafte Bauernumwandlung
FIDE-Referenz
Art. 3.7.5.3 & Art. 7.5.2: Einen Bauern auf die achte Reihe zu ziehen und die Uhr zu drücken, ohne den Bauern durch eine neue Figur zu ersetzen, stellt einen regelwidrigen Zug dar. Ein umgedrehter Turm auf dem Umwandlungsfeld gilt regelkonform als Turm.
→ FIDE E.01 Art. 7.5.2
Schiedsrichterverfahren
Uhren anhalten, den Spieler die gewählte Figur korrekt auf dem Umwandlungsfeld platzieren lassen und die für die geltende Bedenkzeit vorgesehene Zeitstrafe für regelwidrige Züge anwenden.
05 Blättchenfall und Zeitüberschreitung
FIDE-Referenz
Art. 6.9: Ein Spieler verliert die Partie, wenn seine Bedenkzeit abläuft, sofern der Gegner noch die theoretische Möglichkeit hat, durch eine beliebige regelgemäße Zugfolge mattzusetzen.
→ FIDE E.01 Art. 6.9
Schiedsrichterverfahren
Uhrenanzeige und aktuelle Brettstellung prüfen. Wenn der Gegner über Figuren oder Bauernstrukturen verfügt, die ein regelgemäßes Matt ermöglichen, den Gewinn für den Gegner erklären.
06 Blättchenfall bei unzureichendem Mattmaterial des Gegners
FIDE-Referenz
Art. 6.9: Läuft die Bedenkzeit eines Spielers ab, der Gegner kann jedoch durch keine regelgemäße Zugfolge mattsetzen (z. B. einzelner König gegen König und Dame), so wird die Partie als Remis gewertet, nicht als Niederlage.
→ FIDE E.01 Art. 6.9
Schiedsrichterverfahren
Das verbliebene Material des Gegners prüfen. Wenn keine regelgemäße Zugfolge zum Matt des Spielers mit abgelaufener Zeit führen kann, das Ergebnis als Remis eintragen.
07 Remisantrag wegen dreifacher Stellungswiederholung
FIDE-Referenz
Art. 9.2: Ein Spieler am Zug kann Remis beanspruchen, wenn dieselbe Stellung zum dritten Mal auftreten wird (indem er den beabsichtigten Zug auf dem Partieformular notiert und dem Schiedsrichter mitteilt, bevor er ihn ausführt) oder gerade zum dritten Mal aufgetreten ist, wobei jeweils derselbe Spieler am Zug war.
→ FIDE E.01 Art. 9.2
Schiedsrichterverfahren
Uhren anhalten und die Partie auf einem Demonstrations- oder Servicebrett nachspielen. Ist der Antrag berechtigt, Remis erklären. Ist er unbegründet, dem Gegner 2 Minuten Zusatzzeit geben und die Partie fortsetzen lassen.
08 Remisantrag nach der 50-Züge-Regel
FIDE-Referenz
Art. 9.3: Der Spieler am Zug kann Remis beanspruchen, wenn die letzten 50 aufeinanderfolgenden Züge jedes Spielers ohne Bauernzug und ohne Schlagen einer Figur ausgeführt wurden.
→ FIDE E.01 Art. 9.3
Schiedsrichterverfahren
Uhr anhalten und die Zugnotation auf den Partieformularen überprüfen. Werden 50 gültige Züge bestätigt, das Remis anerkennen. Sind weniger als 50 Züge erfolgt, dem Gegner 2 Minuten Zusatzzeit geben und das Spiel fortsetzen.
09 Verstoß gegen die Berührungsregel („Berührt – Geführt”)
FIDE-Referenz
Art. 4.3: Berührt ein Spieler am Zug absichtlich eine oder mehrere Figuren, muss er die zuerst berührte Figur ziehen oder schlagen, sofern ein regelgemäßer Zug damit möglich ist – es sei denn, er hat zuvor seine Absicht zur Zurechtrückung erklärt („Ich korrigiere” oder „J’adoube”).
→ FIDE E.01 Art. 4.3
Schiedsrichterverfahren
Wird absichtliches Berühren ohne vorherige Korrekturansage bestätigt, die Ausführung des Zugs oder Schlags mit der berührten Figur durchsetzen, sofern regelkonform möglich. Gibt es keinen regelgemäßen Zug mit dieser Figur, darf der Spieler jeden anderen regelgemäßen Zug straflos ausführen.
10 Nicht genehmigtes elektronisches Gerät im Spielbereich
FIDE-Referenz
Art. 11.3.2 & Art. 11.3.2.2: Geräte, die nicht ausdrücklich vom Schiedsrichter genehmigt wurden, sind im Spielbereich verboten. Wird festgestellt, dass ein Spieler ein nicht genehmigtes Gerät im Spielbereich bei sich trägt, verliert er die Partie und der Gegner gewinnt, sofern die Turnierordnung keine abweichende, mildere Strafe vorsieht.
→ FIDE E.01 Art. 11.3.2
Schiedsrichterverfahren
Die Partie als verloren für den Spieler mit dem nicht genehmigten Gerät erklären und dem Gegner den Gewinn zusprechen. Anders als beim zweiten vollendeten regelwidrigen Zug gemäß Artikel 7.5.5 sieht Artikel 11.3.2.2 keine Mattpotenzial-Einschränkung vor, sofern die Turnierordnung keine abweichende, mildere Strafe vorsieht.
11 Vorausnotation eines Zuges auf dem Partieformular
FIDE-Referenz
Art. 8.1b: Das vorherige Notieren von Zügen auf dem Partieformular ist strengstens verboten. Der Spieler muss den Zug zuerst auf dem Brett ausführen, bevor er ihn notiert.
→ FIDE E.01 Art. 8.1b
Schiedsrichterverfahren
Beim ersten Verstoß eine mündliche Verwarnung aussprechen. Im Wiederholungsfall eine Zeitstrafe zugunsten des Gegners gemäß FIDE-Artikel 12.9 verhängen.
12 Eingriffe durch Zuschauer oder Dritte während des Spiels
FIDE-Referenz
Art. 12.7: Zuschauer und Dritte dürfen nicht in Partien eingreifen. Kommentare zum Spielgeschehen, das Aufmerksammachen auf Regelverstöße oder die Kommunikation mit Spielern in laufenden Partien sind verboten.
→ FIDE E.01 Art. 12.7
Schiedsrichterverfahren
Den Zuschauer zum Schweigen auffordern oder aus dem Saal verweisen. Hat ein Spieler unaufgefordert einen Hinweis erhalten, greift der Schiedsrichter ein, um faire Bedingungen wiederherzustellen und angemessene Sanktionen zu verhängen.

Nach dem Turnier: Ergebniskontrolle und Berichte

Nach Abschluss der letzten Runde gehen die Schiedsrichterpflichten in die technische und administrative Prüfphase über:

Datenabgleich. Sicherstellen, dass die in der Paarungssoftware erfassten Partieergebnisse mit den physischen Ergebniszetteln oder unterschriebenen Partieformularen übereinstimmen.

Klärung offener Streitfälle. Keine endgültige Rangliste darf veröffentlicht werden, solange förmliche Proteste oder ungeklärte Ansprüche anhängig sind.

Validierung der TRF-Datei. Der Oberschiedsrichter validiert und übermittelt die Turnierbericht-Datei (TRF) an den nationalen Verband zur FIDE-Wertungsverarbeitung – unter Beachtung der Hinweise zur FIDE-Wertungseinreichung und Turnierberichterstattung.

Erforderliche Dokumentation und Archivierung

Bei wertungsrelevanten Turnieren müssen Schiedsrichter die Turnierunterlagen für den durch die nationalen Verbandsvorschriften oder die Turnierordnung vorgeschriebenen Zeitraum aufbewahren:

Unterschriebene Ergebniszettel und Partieformulare. Diese dienen als primärer physischer Nachweis bei nachträglichen Überprüfungen oder Streitfällen.

Rundenpaarungslisten. Vom Schiedsrichter unterzeichnete, ausgedruckte Paarungslisten mit Brettnummern, Spielernamen und zugeteilten Farben.

Vorfallprotokoll (Schiedsrichterlogbuch)
Als Best Practice empfiehlt es sich, jede Verwarnung, Strafe, jeden kampflosen Verlust und jeden bewerteten förmlichen Antrag während des Turniers zu protokollieren – mit Uhrzeit, Brettnummer, beteiligten Spielern und Begründung.

Protestverfahren und Protestkomitee

Die Verfahrensregeln für Proteste gegen eine Schiedsrichterentscheidung müssen vor Turnierbeginn veröffentlicht werden. Bei FIDE-Veranstaltungen richtet sich das Verfahren nach den Bestimmungen des nationalen Verbandes und dem FIDE-Handbuch (Abschnitt C.05):

Fristen und Protestgebühr. Ein förmlicher Protest muss schriftlich innerhalb der vorgeschriebenen Frist (in der Regel vor Beginn der nächsten Runde) eingereicht werden, zusammen mit der in der Turnierordnung festgelegten Protestgebühr. Die Gebühr wird erstattet, wenn dem Protest stattgegeben wird oder er als begründet erachtet wird.

Befangenheit von Komiteemitgliedern. Der Schiedsrichter, dessen Entscheidung angefochten wird, darf nicht dem Protestkomitee angehören, das den Fall prüft. Ist in der Turnierordnung kein Protestkomitee vorgesehen, sind die Entscheidungen des Oberschiedsrichters im Saal endgültig.

Vereinsturniere als Ein-Personen-Schiedsrichter leiten

Wenn eine einzelne Person bei einem Vereinsturnier sowohl die administrative Leitung als auch die Schiedsrichterentscheidungen übernehmen muss, empfehlen sich folgende operative Absicherungen:

Regeln vorab schriftlich veröffentlichen. Feinwertungskriterien, Verspätungsregelungen und Handyrichtlinien vor Runde 1 am schwarzen Brett aushängen.

Dokumentierte Paarungssoftware verwenden, mit Überprüfung der Einstellungen und Ergebnisse durch den Schiedsrichter. Dies erleichtert die Nachvollziehbarkeit des Paarungsprozesses, wobei die Verantwortung für die Kontrolle der Konfiguration und der veröffentlichten Paarungen beim Schiedsrichter verbleibt.

Neutrale Drittperson bei Interessenkonflikten benennen. Betrifft ein Streitfall einen Spieler, der dem Veranstalter nahesteht, die Einschätzung eines erfahrenen neutralen Spielers für die Entscheidungsfindung einholen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer legt die Verspätungsregelung vor Turnierbeginn fest?

Die reguläre Verspätungsfrist gemäß FIDE-Schachregeln beträgt null Minuten. Jede abweichende Karenzzeit (z. B. 15 oder 30 Minuten) muss in den spezifischen Turnierbestimmungen festgelegt und den Spielern vor Runde 1 mitgeteilt werden.

Was geschieht, wenn ein Handy im Saal klingelt, es aber einem Spieler gehört, der seine Partie bereits beendet hat?

Artikel 11.3.2 verbietet grundsätzlich nicht vom Schiedsrichter genehmigte Geräte im Spielbereich. Bei Spielern, die ihre Partie beendet haben, oder bei Zuschauern verhängt der Schiedsrichter disziplinarische Maßnahmen wie Verwarnungen oder den Verweis aus dem Spielbereich.

Worin besteht der Unterschied zwischen einem regelwidrigen Zug in einer Standardpartie und in einer Schnell- oder Blitzpartie?

In Standardpartien führt der erste vollendete regelwidrige Zug zu einer Zeitzugabe von 2 Minuten für den Gegner, während in Schnell-/Blitzpartien ohne eigene Schiedsrichteraufsicht ein vollendeter regelwidriger Zug bei rechtzeitiger Reklamation des Gegners vor Ausführung seines nächsten Zuges zum sofortigen Partieverlust führt.

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