Rundenturniere und Berger-Tabellen im Schach

Leitfaden · Kapitel 03 Struktur von Jeder-gegen-Jeden-Turnieren, Rundenpläne mit Berger-Tabellen, Verwaltung spielfreier Runden, FIDE-Feinwertungen und eingeschränkte Auslosung.

Bei einem Rundenturnier im Schach (auch als Jeder-gegen-Jeden-Format bekannt) tritt jeder Teilnehmer direkt gegen jeden anderen Spieler des Feldes an. Dieses Format schließt Zufallseinflüsse bei den Paarungen aus und wird beim Kandidatenturnier zur Weltmeisterschaft, bei nationalen Meisterschaftsfinalen sowie bei geschlossenen Einladungsturnieren mit begrenzter Teilnehmerzahl eingesetzt.

Struktur von Rundenturnieren

Bei einem einfachen Rundenturnier mit N Spielern absolviert jeder Teilnehmer genau N−1 Partien. Die Endrangliste spiegelt das Ergebnis aller direkten Duelle innerhalb der Gruppe wider.

Der organisatorische Aufwand und die Turnierdauer steigen mit der Anzahl der Teilnehmer: Ein Turnier mit 10 Spielern erfordert 9 Runden, während eine Veranstaltung mit 14 Spielern 13 Runden benötigt. Bei offenen Turnieren mit Dutzenden oder Hunderten von Teilnehmern ist die Durchführung eines vollständigen Rundenturniers unpraktisch; in solchen Fällen kommt stattdessen das Schweizer System zum Einsatz.

Spieler (N) Runden (einfach) Runden (doppelt) Partien gesamt (einfach) Partien gesamt (doppelt)
4 3 6 6 12
6 5 10 15 30
8 7 14 28 56
10 9 18 45 90
12 11 22 66 132
14 13 26 91 182

Rundenturnier-Formate eignen sich ideal für Vereinsmeisterschaften, Qualifikationsfinale, Einladungsturniere und alle Wettbewerbe, bei denen die Teilnehmerzahl das Ausspielen aller vorgesehenen Runden erlaubt.

FIDE-Bestimmungen für Rundenturniere und die dazugehörigen Paarungstafeln sind im FIDE-Handbuch C.05 — General Regulations for Competitions sowie in C.05 Anhang 1 — Berger Tables geregelt.
→ FIDE C.05 Anhang 1 einsehen

Einfaches vs. doppeltes Rundenturnier

Bei einem einfachen Rundenturnier trifft jedes Spielerpaar einmal aufeinander. Die Farbverteilung (Weiß oder Schwarz) für jede Runde ist durch die Berger-Tabelle vorgegeben und kann nicht geändert werden.

Bei einem doppelten Rundenturnier stehen sich die Paare zweimal gegenüber, wobei die Farben im zweiten Durchgang getauscht werden. Dieser zweite Durchgang gleicht den statistischen Anzugsvorteil von Weiß in der Endrangliste aus.

Planungshinweise

2–3-Tages-Turniere mit 6–8 Spielern: einfaches Rundenturnier (2–3 Runden pro Tag).

Wochen-Turniere mit 6 Spielern: doppeltes Rundenturnier über 10 Runden.

Bei hoher Teilnehmerzahl im Verhältnis zur verfügbaren Zeit: Wahl des Schweizer Systems in Betracht ziehen.

Umgang mit ungerader Spielerzahl und spielfreien Runden

Berger-Tabellen sind für eine gerade Anzahl von Paarungspositionen konstruiert. Nimmt eine ungerade Anzahl von Spielern teil (wie etwa 5, 7 oder 9), wird ein Dummy-Spieler (gekennzeichnet als spielfreie Runde oder BYE) eingefügt, um die Tabelle auf die nächsthöhere gerade Zahl (N+1) zu ergänzen.

In der Runde, in der ein Teilnehmer gegen die Nummer des Dummy-Eintrags gepaart ist, setzt dieser Spieler aus. Bei einem Turnier mit 5 Spielern wird eine Tabelle mit 6 Positionen verwendet: Position #6 steht für die spielfreie Runde, und jeder Teilnehmer pausiert in den 5 Runden genau einmal.

FIDE-Wertungsauswertung: Spielfreie Runden aufgrund einer ungeraden Teilnehmerzahl zählen nicht als gespielte Partien und führen bei den Teilnehmern zu keiner Änderung der FIDE-Elo-Zahl.

Wertungspunkte und Verwaltung spielfreier Runden: Bei einem Rundenturnier mit ungerader Teilnehmerzahl bedeutet die Paarung gegen den Dummy-Eintrag eine ungespielte Runde. Jeder Spieler pausiert im Laufe des Turniers exakt gleich oft, was die Chancengleichheit bei der Anzahl tatsächlich gespielter Partien wahrt. Es handelt sich grundsätzlich nicht um einen automatischen Siegespunkt (es sei denn, die spezifischen Turnierbestimmungen sehen dies ausdrücklich vor) und auch nicht um ein beantragtes Halbpunkt-Bye, wie es ausschließlich bei Schweizer Systemen vorkommt.

Praxisbeispiel — 5 Spieler

Bei einem Turnier mit 5 gemeldeten Spielern wird die Berger-Tabelle für 6 Positionen verwendet. Position #6 wird der spielfreien Runde zugewiesen.

In jeder Runde setzt derjenige Spieler aus, der gegen Position #6 gepaart ist. Nach Ablauf von 5 Runden hat jeder Teilnehmer 4 reale Partien gespielt und 1 spielfreie Runde absolviert.

Funktionsweise von Berger-Tabellen

Die Paarungstafeln verdanken ihren Namen Johann Berger (1845–1933), einem österreichischen Meister und Theoretiker, der ihre mathematische Struktur definierte. Die Berger-Tabelle legt für jede Runde zwei wesentliche Elemente fest: die Paarungen der Spieler und die Zuordnung der Spielfarben.

Der Algorithmus hält die höchste Positionsnummer fest (den festen Dreh- und Angelpunkt Spieler N), während die Positionen der verbleibenden N−1 Spieler in jeder Runde zyklisch rotieren. Dieser Mechanismus stellt sicher, dass die Farbverteilung zwischen Weiß und Schwarz im Rahmen der mathematischen Möglichkeiten der Gesamtrundenzahl ausgeglichen bleibt.

Berger-Tabellen für 4 und 6 Spieler

Berger-Tabelle für 4 Spieler — 3 Runden
Runde Brett 1 Brett 2
Runde 1 1 W4 B 2 W3 B
Runde 2 4 W3 B 1 W2 B
Runde 3 2 W4 B 3 W1 B

Farbbalance: Über 3 ungerade Runden spielen die Teilnehmer 2 Partien mit Weiß und 1 mit Schwarz (oder umgekehrt).

Berger-Tabelle für 6 Spieler — 5 Runden
Runde Brett 1 Brett 2 Brett 3
Runde 1 1 W6 B 2 W5 B 3 W4 B
Runde 2 6 W4 B 5 W3 B 1 W2 B
Runde 3 2 W6 B 3 W1 B 4 W5 B
Runde 4 6 W5 B 1 W4 B 2 W3 B
Runde 5 3 W6 B 5 W1 B 4 W2 B

Farbbalance: Jeder Teilnehmer spielt 3 Partien mit einer Farbe und 2 mit der anderen. Position #6 fungiert als fester Dreh- und Angelpunkt.

Berger-Tabelle für 8 Spieler

Die Tabelle für 8 Spieler plant ein Turnier über 7 Runden (N−1 = 7) mit 4 Brettern pro Runde. Die Positionen 1 bis 8 werden den Spielern vor Beginn der Veranstaltung durch Auslosung zugewiesen.

Berger-Tabelle für 8 Spieler — 7 Runden
Runde Brett 1 Brett 2 Brett 3 Brett 4
Runde 1 1 W8 B 2 W7 B 3 W6 B 4 W5 B
Runde 2 8 W5 B 6 W4 B 7 W3 B 1 W2 B
Runde 3 2 W8 B 3 W1 B 4 W7 B 5 W6 B
Runde 4 8 W6 B 7 W5 B 1 W4 B 2 W3 B
Runde 5 3 W8 B 4 W2 B 5 W1 B 6 W7 B
Runde 6 8 W7 B 1 W6 B 2 W5 B 3 W4 B
Runde 7 4 W8 B 5 W3 B 6 W2 B 7 W1 B

Farbverteilung: Jeder Spieler absolviert 4 Partien mit einer Farbe und 3 mit der anderen. Position #8 bleibt über alle Runden hinweg unverändert.

Automatische Turnierverwaltung auf ChessPairings.org

Durch Auswahl des Formats „Rundenturnier“ erstellt die Plattform automatisch Berger-Spielpläne, verfolgt die Farbbalance und berechnet die Rangliste samt Feinwertungskriterien.

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Lesen der Turnier-Kreuztabelle

Bei einem Rundenturnier werden die Spielergebnisse in einer Kreuztabelle zusammengefasst. Jede Zeile entspricht einem Spieler, während jede Spalte einen Gegner darstellt. Das Feld am Schnittpunkt zeigt das Ergebnis der Partie.

Spieler Fis Kas Tal Pet Spa Kar Bot Las Gesamt
Fischer × 1 ½ 1 1 1 1 1
Kasparov 0 × 1 1 1 1 1 1 6
Tal ½ 0 × 1 1 1 1 1
Petrosian 0 0 0 × 1 1 1 1 4
Spassky 0 0 0 0 × 1 1 1 3
Karpov 0 0 0 0 0 × 1 1 2
Botvinnik 0 0 0 0 0 0 × 1 1
Lasker 0 0 0 0 0 0 0 × 0

Das Raster wird Zeile für Zeile gelesen: Fischers Zeile zeigt einen Sieg (1) gegen Kasparov, ein Remis (½) gegen Tal und Siege (1) gegen die verbleibenden fünf Teilnehmer, was ein Gesamtergebnis von 6½ aus 7 Punkten ergibt. Die mit dem Symbol × gekennzeichnete Diagonale stellt das Feld dar, in dem ein Spieler auf sich selbst treffen würde.

FIDE-Feinwertungskriterien für Rundenturniere

Bei Punktgleichheit am Ende eines Rundenturniers wird die Reihenfolge der Feinwertungskriterien in der spezifischen Turnierordnung der Veranstaltung festgelegt. Die Bestimmungen der FIDE C.07 (Feinwertungsvorschriften) definieren die formalen Kriterien, ohne eine universelle Reihenfolge vorzuschreiben: Es liegt in der Verantwortung des Veranstalters, die geordnete Liste der anzuwendenden Feinwertungen vor Beginn der ersten Runde in den Turnierbestimmungen festzulegen und zu veröffentlichen.

Bei Rundenturnieren gehören zu den am häufigsten angewendeten Kriterien:

1. Direkter Vergleich: bewertet das Ergebnis oder die Gesamtpunktzahl aus den direkten Partien, die ausschließlich zwischen den punktgleichen Teilnehmern gespielt wurden.

2. Sonneborn-Berger (SB): berechnet aus der Summe der Endpunkte der besiegten Gegner plus der Hälfte der Endpunkte der Gegner, gegen die ein Remis erzielt wurde. Siegern gegen höher platzierte Gegner wird damit ein höherer Wert zugeschrieben.

3. Koya-System: berechnet die Punktzahl, die ausschließlich gegen Teilnehmer erzielt wurde, die 50 % oder mehr der theoretischen Maximalpunktzahl des Turniers erreicht haben.

4. Größere Anzahl von Siegen: belohnt den Teilnehmer, der im Laufe des Turniers die höchste Anzahl gewonnener Partien erzielt hat.

Offizielle FIDE-Regeln für Feinwertungskriterien sind im FIDE-Handbuch C.07 — Tie-Break Regulations (gültig ab 1. März 2026) verankert.
→ FIDE C.07 Feinwertungsvorschriften (März 2026) einsehen

Eingeschränkte Auslosung (FIDE C.06)

Vor Turnierbeginn werden den Teilnehmern Paarungsnummern (1 bis N) zugewiesen, die ihre Zeilen und Spalten in der Berger-Tabelle bestimmen. Ohne besondere Einschränkungen werden die Nummern durch öffentliche Auslosung vergeben.

Die Regelung FIDE C.06 (Eingeschränkte Auslosung) regelt Auslosungen mit Nebenbedingungen. Dieses Verfahren kommt zur Anwendung, wenn verhindert werden soll, dass Spieler desselben Vereins, desselben Verbandes oder derselben Organisation in den Schlußrunden des Turniers aufeinandertreffen.

Um mögliche taktische Absprachen gegen Ende der Veranstaltung zu verhindern, schreibt die FIDE vor, dass aufeinander beschränkte Spieler in den ersten Runden aufeinandertreffen müssen. Zu diesem Zweck werden spezifische Paare eingeschränkter Nummern in der Berger-Tabelle genutzt (beispielsweise garantieren bei 8-Spieler-Tabellen bestimmte Nummernpaare ein direktes Aufeinandertreffen in Runde 1 oder Runde 2).

In den spezifischen Turnierbestimmungen kann der Veranstalter vor der Auslosung der verbleibenden Positionen die Paarungsnummer 1 direkt dem an eins gesetzten Spieler zuweisen, wodurch dessen Spielplan im Voraus festgelegt wird.

Das praktische Verfahren für eingeschränkte Auslosungen ist im FIDE-Handbuch C.06 — Restricted Drawing of Lots beschrieben.
→ FIDE C.06 einsehen

Vergleich von Rundenturnier und Schweizer System

Wählen Sie ein Rundenturnier, wenn: Turniertage und verfügbare Zeit das Absolvieren aller geplanten Runden erlauben und eine Endrangliste auf der Grundlage direkter Duelle zwischen jedem Spielerpaar gefordert ist.

Wählen Sie das Schweizer System, wenn: die Teilnehmerzahl das Ausspielen eines vollständigen Rundenturniers innerhalb der verfügbaren Runden nicht zulässt oder das Turnier für eine große Anzahl von Teilnehmern offen ist.

Hybride Turnierformate: Viele Veranstaltungen nutzen eine vorgelagerte Phase im Schweizer System (um die besten Qualifikanten aus einem großen Feld zu ermitteln), gefolgt von einer finalen Rundenturnier-Phase unter den besten 6 oder 8 Qualifikanten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Erhält man für eine spielfreie Runde (BYE) bei einem Rundenturnier 1 Punkt in der Wertung?

Nein. Bei einem Rundenturnier mit ungerader Teilnehmerzahl bedeutet die Paarung gegen den Dummy-Eintrag lediglich eine ungespielte Runde. Da alle Teilnehmer exakt eine spielfreie Runde absolvieren, spielen alle dieselbe Anzahl an Partien, und es wird grundsätzlich kein automatischer Siegespunkt vergeben (es sei denn, die Turnierordnung sieht dies ausdrücklich vor).

Wirken sich spielfreie Runden bei ungerader Spielerzahl auf die FIDE-Wertung aus?

Nein. Für die Berechnung der FIDE-Wertungsänderung werden ausschließlich tatsächlich gespielte Partien berücksichtigt. Spielfreie Runden aufgrund einer ungeraden Teilnehmerzahl führen zu keiner Elo-Änderung.

Was ist der Unterschied zwischen einem einfachen und einem doppelten Rundenturnier?

Bei einem einfachen Rundenturnier trifft jeder Teilnehmer gemäß Berger-Tabelle einmal auf jeden Gegner, mit Weiß oder Schwarz. Bei einem doppelten Rundenturnier stehen sich die Paare zweimal mit getauschten Farben gegenüber, was den statistischen Anzugsvorteil von Weiß in der Endrangliste ausgleicht.

Gibt es eine von der FIDE vorgeschriebene, zwingende Reihenfolge bei den Feinwertungen?

Nein. Die FIDE-Bestimmungen C.07 legen fest, wie jedes einzelne Kriterium (Direkter Vergleich, Sonneborn-Berger, Koya, Anzahl der Siege etc.) berechnet wird, schreiben jedoch vor, dass der Veranstalter die genaue Anwendungsreihenfolge vor Spielbeginn in den Turnierbestimmungen festlegen und veröffentlichen muss.